Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (7)

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schreibe ich den letzten Artikel dieser Serie. Einerseits ist es schade, dass wir schon am Ende angelangt sind. Andererseits bin ich auch froh, wieder über andere Dinge schreiben zu können. Nicht, dass euch langweilig wird, wenn es sich immer um das gleiche Thema dreht. Und so wollen wir uns im siebten Teil mit dem Heimstudio befassen. Selbstredend bleiben wir wieder unter dem anvisierten Budget von 200 Euro.

Set 7 – Heimstudio

Es gibt viele Gründe für ein eigenes Heimstudio. Man kann nicht vor die Tür, weil das Wetter nicht mitspielt (obwohl viele tolle Fotos bei schlechtem Wetter entstehen). Draußen ist es gerade dunkel. Man benötigt ein Portrait ohne bunten Hintergrund. Man will die Beleuchtung unter Kontrolle haben. Und auch ein guter Grund ist: weil man es will.
Ein Studio schafft Unabhängigkeit. Man ist losgelöst von Wetter und Tageszeiten und man muss nicht weit laufen um an eine geeignete Location zu kommen. Im besten Fall hat man das kleine Studio direkt im Haus oder der Wohnung.
Nicht immer sind teure Studiogerätschaften wie Blitze und Lichtformer notwendig, aber ein paar Sachen benötigt man schon. Die sind allerdings auch für kleines Geld erhältlich und ermöglichen schon sehr gute Aufnahmen.

Kamera

Zum letzten Mal wiederhole ich mich hier 🙂
Canon D30, Canon D60, Canon 10D, Nikon D40 und Nikon D70 sind beispielsweise Kameramodelle die für kleines Geld zu haben sind, ohne schlechte Qualität zu produzieren. Die Preise liegen zwischen 40 und 80 Euro, je nach Zustand. Wer nur Passbilder oder Fotos für Profilbilder schießt, der kommt auch mit den 3,1MP der EOS D30 zurecht, alle anderen greifen zu einer Kamera mit mindestens 6 Megapixeln.

Rote Blume vor schwarzem Hintergrund

Objektiv

Auch beim Objektiv bleibt alles beim Alten. Ein Standard-Zoomobjektiv, wie es für APS-C und Kleinbild/Vollformat gängig ist, reicht vollkommen. Die Brennweiten liegen bei 18-55mm, 28-80mm oder 28-90mm. Zum Anschluss-Bajonett und der Sache mit dem AF-Motor bei Nikon, gelten weiterhin die Hinweise aus dem ersten Artikel der Serie. Somit liegen wir preislich bei ca. 20-30 Euro für ein Standard-Zoomobjektiv.

Blitz

Naturgemäß ist es im Studio nicht immer hell genug, um mit annehmbaren Verschlusszeiten zu fotografieren. Ein Blitz muss her. Der Hersteller Yongnuo hat sehr günstige, gut ausgestattete Blitzgeräte im Sortiment. Die Modelle YN-460, YN460II und YN-560II gibt es zum Neupreis von 40-60 Euro, gebraucht habe ich schon welche für 20 Euro gesehen. Auf eine TTL-Steuerung muss man zwar verzichten, die ist aber auch nicht nötig. Manuelles Blitzen ist viel einfacher. Für eine gute Handvoll Euros bekommt man dann noch einen passenden Blitzdiffusor (“Joghurtbecher”), der das harte Blitzlicht etwas weicher macht.

Funkauslöser oder Blitzkabel

Entfesseltes Blitzen ist mittlerweile Standard. Wenn der Blitz von der Kamera getrennt eingesetzt wird, hat man vielseitige Möglichkeiten, das Modell auszuleuchten. Schon für kleines Geld, kann man sich ein Blitzkabel zulegen, dass es erlaubt, den Blitz ca. 1-3m von der Kamera zu entfernen. Viel flexibler ist man aber mit einem Funkauslöser-Set z.B. des Herstellers Yongnuo. Die Auslöser gibt es zu einem Neupreis ab ca. 20 Euro, die Reichweite beträgt zwischen 30 und 100 Metern. Beim Kauf unbedingt darauf achten, das passende Modell zur Kamera zu wählen.

Orange Blume vor orangem Hintergrund

Hintergrund

Damit die Studioaufnahme wirkt, benötigen wir einen geeigneten Hintergrund. Und der sollte möglichst neutral und einfarbig sein. Beliebt sind Hintergründe in schwarz, weiß oder grau. Grau eignet sich auch gut, um in der Nachbearbeitung das Modell für Composings schnell freizustellen. Es gibt sehr günstige Hintergrundsysteme, die aber meist nicht sehr stabil sind. Außerdem sprengen sie unter Umständen trotzdem unser Budget.
Die billigste Lösung – und sicher überall vorhanden – ist ein weißes Bettlaken, dass irgendwo aufgespannt werden kann. Etwaige Falten die sich auch mit dem Bügeleisen nicht entfernen lassen, macht man mit offender Blende unsichtbar (Stichwort „Unschärfe“). Oder man blitzt das Laken mit einem zweiten Blitzgerät an, so dass es überstrahlt. So sind die Falten auch nicht mehr sichtbar.
Ein heißer Tipp aus dem Internet: Das Rollo Tupplur von Ikea 🙂
Das Rollo gibt es in verschiedenen Farben (auch schwarz/weiß/grau) und in verschiedenen Größen. Und das zu Preisen von ca. 15 bis 35 Euro. Selbst mit der größten Variante (200×195 cm) sind zwar keine Ganzkörperaufnahmen möglich, aber es ist ja auch „nur“ ein Heimstudio. Dazu kommt die einfache Bedienung, wenn es mal montiert ist. Bei Bedarf ausziehen, danach wieder einschnappen lassen. Das Ding hat quasi keinen Platzbedarf. Hier mal die Links (Größe wählen nicht vergessen):

Verdunklungsrollo Tupplur weiß
Verdunklungsrollo Tupplur schwarz
Verdunklungsrollo Tupplur grau

Kleiner Tipp:
Das Rollo muss nicht vor dem Fenster montiert werden. Besser ist es vielleicht sogar an der Wand. So ist man sicher, dass von hinten kein Licht durchscheint. Hat man noch einen Außenrolladen, ist das eher egal.

Wer gar keine Personen fotografieren möchte, sondern Stillleben, Verkaufsfotos, oder sonstiges vorzieht, der kommt mit ein paar Styroporplatten (Baumarkt) in weiß und schwarz (anmalen) aus. Die fungieren dann als Abschatter und Aufheller. Dazu noch ein schöner Untergrund aus einer ausgedienten Holzplatte und fertig.

Setpreis

Der Einstieg beginnt hier bei ca. 130 Euro. Mit mehr Geld gibt es eine bessere Kamera, oder einen größeren Hintergrund. Wer noch was übrig hat, der kann auch ein Stativ (siehe in einem der anderen Artikel) in seine Überlegungen einbeziehen. Gerade bei Stillleben kann das hilfreich sein.

Tipps, Tricks und Erfahrungen aus erster Hand sind gerne gesehen. Kommentiert fleißig und teilt den Beitrag. So haben alle was davon.

Weitere Artikel dieser Serie:

Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (1) – Der Einstieg
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (2) – Allround
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (3) – Portrait
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (4) – Langzeitbelichtung / Nachtaufnahmen
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (5) – Doppelzoom
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (6) – Makrofotografie
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (7) – Heimstudio

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4 thoughts on “Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (7)

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