Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (6)

Heute begeben wir uns in die Welt des Kleinen, wir tauchen ab in die Makrowelt. Und das ist gar nicht so teuer wie man glauben mag. Das Set ist für Einsteiger aber auch Fortgeschrittene geeignet und kann später beliebig erweitert werden.

Set 6 – Makrofotografie

Makrofotografie ist etwas faszinierendes. Man sieht die kleinen Dinge plötzlich ganz groß. Völlig ungewohnt erscheinen uns alltägliche Gegenstände nun völlig unwirklich oder wahnsinnig schön. Für diese Art der Fotografie benötigen wir, neben einer Kamera und einem Stativ, eigentlich ein Makroobjektiv. Dieses erlaubt es uns, ganz nah an das Motiv ranzugehen und damit eine tolle Vergrößerung zu erzielen. Aber Makroobjektive sind teuer.
Keine Bange, es gibt auch günstige – aber deswegen nicht schlechte – Einstiegslösungen, die den Makrofotografen lange begleiten können. Die Rede ist hier von sogenannten Umkehrringen oder Retroadaptern. Eine andere Möglichkeit sind Zwischenringe. All diese Möglichkeiten sind günstig zu haben. Eine Erklärung dazu findet ihr im jeweiligen Abschnitt.

Kamera

The same procedure as last article, Miss Sophie?
Als Einstiegskamera kämen z.B. die Modelle Canon D30, Canon D60, Canon 10D, Nikon D40 und Nikon D70 infrage. Preislich liegt man hier im Rahmen zwischen 40 und 80 Euro, je nach Zustand. Grundsätzlich empfehle ich auch die D30, aber um etwas Spiel zum „Croppen“ zu haben, sollte man vielleicht doch eher zu den 6MP-Modellen greifen. Das ist aber nur eine Empfehlung, jeder sollte da seine eigene Entscheidung treffen. Schöne Bilder sind auf jeden Fall garantiert.

Objektiv

Eigentlich sollte hier nun ein fettes Makroobjektiv auftauchen. Aber da die Preise für gute Makros genauso fett sind, empfehle ich wieder ein Standard-Zoomobjektiv, wie sie für APS-C und Kleinbild/Vollformat gängig sind. Das wird dann weiter unten auf Makro gepimpt. Die Brennweiten liegen hier bei 18-55mm, 28-80mm oder 28-90mm. Zum Anschluss-Bajonett und der Sache mit dem AF-Motor bei Nikon, gelten weiterhin die Hinweise aus dem ersten Artikel der Serie. Somit liegen wir preislich bei ca. 20-30 Euro für ein Standard-Zoomobjektiv.
Ein Tipp: Da man in der Makrofotografie in der Regel manuell fokussiert, kann man sich auch ein Objektiv mit defektem Autofokus zulegen. Solche Objektive sind in der Regel zum halben Preis zu haben. Allerdings lassen sie sich dann schwerlich für andere fotografische Projekte verwenden, außer man fokussiert immer manuell.

Makroaufnahme eines Insekts

Stativ

Grundsätzlich kann man Makros auch aus der Hand fotografieren. Allerdings ist man mit einem Stativ auf der sicheren Seite, wenn die Verschlusszeiten bei wenig Licht zu lang werden. Und auch wenn man z.B. scheuen Insekten nicht auf den Pelz rücken möchte bietet es sich an, einen festen Aufbau mit Stativ vorzunehmen und das Objekt der Begierde dorthin zu locken.
Ansonsten die gleichen Empfehlungen, wie beim letzten Mal:
Gebrauchte Stative sind oft schon für unter 10 Euro zu finden. Das sind dann meist Erbstücke oder Dachbodenfunde. Die Verkäufer kennen sich nicht aus und sind froh, wenn „das Zeug“ weg ist. Ältere Stative sind oft auch stabiler gebaut, als die günstigen heutzutage. Hier also mal die Augen aufhalten.
Wenn es aber ein neues Stativ sein soll, habe ich hier auch zwei Optionen entdeckt. Das eine ist ein Einstiegsmodell von Hama, das Star 61 zu einem Preis von aktuell knapp 22 Euro. Ich habe es selbst lange genutzt. Erst als Kamera und Objektive schwerer wurden, musste etwas besseres her.
Die andere interessante Option ist ein Stativ von AmazonBasics für knapp 50 Euro, das sogar einen Kugelkopf mitbringt (muss man in höheren Preisklassen separat kaufen).

Umkehrring / Retroadapter

Umkehrringe bzw. Retroadapter (ist beides das Gleiche) sind echt eine tolle Sache. Und günstiger steigt man nirgends in die Makrofotografie ein. Ein Umkehrring erlaubt es uns ein beliebiges Objektiv verkehrt herum an der Kamera anzubringen. Und was soll das? Ganz einfach, hierdurch wird ein Objektiv zum Makroobjektiv. Und zwar ist der Vergrößerungsfaktor um so höher, je weitwinkliger das Objektiv ist. Teleobjektive spielen hier also schon mal keine Rolle. Aber unser kleines, günstiges Standard-Zoom ist hier genau richtig, da es mit einer Anfangsbrennweite von 18mm schon gut im Weitwinkel liegt. Was so ein Umkehrring kostet? Festhalten: ca. 15 Euro.
Es seien aber auch die Nachteile nicht verschwiegen. Bei den einfachen Umkehrringen werden keine Signale zwischen Objektiv und Kamera übertragen. Das heißt, es funktioniert kein Autofokus und die Blende kann nicht verstellt werden. Aber es gibt auch gute Nachrichten. Im Makrobereich wird sowieso nicht mit Autofokus fotografiert. Durch die geringe Schärfentiefe ist es ratsam immer per Hand zu fokussieren. Bei der Blende muss man sich mit einem Trick behelfen. Man schließt das Objektiv erst normal an die Kamera an, stellt die gewünschte Blende ein und schaltet dann die Kamera bei gedrückter Abblendtaste aus. Nun kann man das Objektiv abnehmen und mit dem Umkehrring montieren, die eingestellte Blende bleibt eingestellt.
Es gibt auch automatische Umkehrringe mit Signalübertragung. Erstens funktionieren diese aber nicht mit jeder Kamera-/Objektiv-Kombination korrekt und außerdem ist dann auch der Preisvorteil nicht mehr so toll, da diese Adapter doch recht kostspielig sind.
Beim Kauf eines Umkehrrings muss der Durchmesser des Filtergewindes des genutzten Objektivs beachtet werden. Beim 18-55mm von Canon beispielsweise 58mm.
Ein Tipp: Es gibt aus der analogen Zeit noch Objektive bei denen man die Blende direkt an einem Ring am Objektiv einstellt. Damit kann man die Blende jederzeit ohne den Behelfstrick ändern. Das Objektivbajonett ist übrigens egal, da das Objektiv ja per Filtergewinde an den Umkehrring angeschlossen wird.

Zwischenringe

Eine andere Möglichkeit das Standard-Zoomobjektiv makrofähig zu machen, sind Zwischenringe. Diese werden zwischen Kamera und Objektiv (hier richtig herum) montiert und vergrößern den Abstand von Objektiv zur Sensor-/Filmebene. Das hat zur Folge, dass man näher an das Motiv heran kann und somit erhält man eine Vergrößerung des Motivs. Diese Zwischenringe gibt es in verschiedenen Längen (je länger um so höher die Vergrößerung) und oftmals zu 3er-Sets zusammengefasst (z.B. 31mm / 21mm / 13mm). Diese 3 Ringe lassen sich sogar beliebig kombinieren um das Spiel auf die Spitze zu treiben (Vignettierung beachten).
Zwischenringe sind in der Automatikvariante (Signale werden übertragen) schon ab etwa 25 Euro zu haben. Allerdings sollte man hier vielleicht eine etwas höherwertige Variante bevorzugen, falls man vorhat etwas schwerere Objektive anzubringen. Der Vorteil ist, dass man später auch mal sein Makroobjektiv noch mal mit den Zwischenringen aufmotzen kann.
Auch wenn der AF bei den Automatikringen funktioniert, ist es nicht empfehlenswert automatisch zu fokussieren. Die Schärfeebene ist hier so knapp bemessen, dass man manuell fokussieren sollte.

Setpreis

Bei der Variante mit D60, einem Objektiv mit defektem AF, einem Umkehrring und einem günstigen Stativ, kann man unter 100 Euro einsteigen. Für 200 Euro bekommt man eine bessere Kamera, ein intaktes Objektiv, dass man auch für andere Sachen nutzen kann, einen Satz Automatik-Zwischenringe und ein stabiles Stativ. Mission erfüllt.

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Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (1) – Der Einstieg
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (2) – Allround
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (3) – Portrait
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (4) – Langzeitbelichtung / Nachtaufnahmen
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (5) – Doppelzoom
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (6) – Makrofotografie
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (7) – Heimstudio

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6 thoughts on “Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (6)

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