Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (4)

Im vierten Teil dieser Serie stelle ich euch wieder ein Set vor, das es in sich hat. Es geht um die Themen Langzeitbelichtung und Nachtaufnahmen. Natürlich begrenzen wir das Budget auch diesmal wieder auf 200 Euro und erhalten trotzdem alles was wir benötigen, um tolle Bilder zu machen.

Set 4 – Langzeitbelichtung / Nachtaufnahmen

Beim Set „Langzeitbelichtung/Nachtaufnahmen“ erwarten euch keine großen Überraschungen. Die meisten Geräte kennt ihr aus den anderen Teilen. Ganz wichtig bei dieser Art der Fotografie ist das Stativ. Ohne Stativ sind diese Aufnahmen nahezu unmöglich. Außer vielleicht man kann die Kamera irgendwo stabil ablegen, hierbei beschneidet man sich aber arg in der Flexibilität und kann sich den Bildausschnitt häufig nicht frei wählen.
Zusätzlich zu den Nachtaufnahmen eröffnen wir uns mit diesem Set die – weniger bekannte – Möglichkeit, auch am Tage mit langen Belichtungszeiten zu fotografieren. Die Bilder die dabei entstehen sind teilweise surreal schön und allein dadurch interessant, dass man sie selten sieht.

Rheinfälle in Schaffhausen

Kamera

Alles beim Alten. Die Modelle Canon D30, Canon D60, Canon 10D, Nikon D40 und Nikon D70 sind wie jede andere DSLR sehr gut geeignet. Der preisliche Rahmen bewegt sich zwischen 40 und 80 Euro, je nach Zustand. Wer wenig Budget hat und/oder weiß, dass er seine Bilder nur im Internet oder auf dem heimischen 60-Zoll-TV präsentiert, kann zur Canon D30 greifen. 3,1 Megapixel Sensorauflösungen hören sich niedrig an, aber ein Full-HD-TV hat lediglich eine Auflösung von 2 Megapixeln. Diese Auflösung reicht auch locker für die eigene Website, Facebook usw.

Objektiv

Die meisten Bilder dieser Art wirken gut bei kurzen Brennweiten. Das Standard-Zoomobjektiv mit 18-55mm bietet mit den 18mm schon gute Möglichkeiten. Wer aber günstig an ein 28-80mm oder ein 28-90mm rankommt oder schon eines besitzt, ist auch damit gut bedient. Die Einschränkungen bei einigen Kamera-Objektiv-Kombinationen von Nikon könnt ihr noch mal im ersten Artikel der Serie nachlesen. Preislich liegen wir also wieder bei ca. 20-30 Euro.

Prager Schloss

Stativ

Ein Stativ ist hier Pflicht. Belichtungszeiten von mehreren Sekunden oder gar Minuten lassen sich nicht aus der Hand fotografieren. Das zusätzliche Gewicht, das man teils an entlegene Orte schleppen muss, belohnt euch aber mit atemberaubenden Bildern.
Wer noch ein Stativ aus analogen Zeiten besitzt kann das gerne nutzen. Vielleicht gibt es auch noch auf Opas Dachboden ein vergessenes Schmuckstück. Hin und wieder gibt es mal in diversen Kleinanzeigen Stative für 5-10 Euro. Aber auch neue Stative sind nicht teuer, wenn man – und das will ich nicht verschweigen – Abstriche macht. Aber ein günstiges Stativ ist immer noch besser, als gar kein Stativ. Und wenn Kamera und Objektiv nicht mehr als 2kg wiegen, dann ist so ein Stativ auch ausreichend.
Für ca. 20 Euro gibt es z.B. das Hama Star 61, das ich selbst lange genutzt habe und für 50 Euro ein Stativ der AmazonBasics-Serie, das sogar einen Kugelkopf besitzt.
Um Unschärfen durch Schwingungen der Kamera zu vermeiden sollte man unbedingt mit der Spiegelvorauslösung fotografieren. Außerdem sollte man entweder den Selbstauslöser aktivieren oder mit einem Fernauslöser (Kabel oder Funk) auslösen.

Graufilter / Graufilterset

Das wichtigste Utensil bei Langzeitbelichtungen am Tag – neben dem Stativ – ist der Graufilter. Erst damit ist es möglich am Tag lange Belichtungszeiten zu erreichen. Dadurch erscheinen bewegte Elemente (fließendes Wasser, Wolken, fahrende Autos etc.) verschwommen oder verschwinden ganz (Belichtungszeiten von mehreren Minuten). Graufilter gibt es einzeln oder im Set mit unterschiedlichen Stärken. Je dunkler ein Filter desto länger kann man belichten. Ein Graufilter mit der Bezeichnung ND0.9 oder ND8X verlängert z.B. die Belichtungszeit um den Faktor 8, ein Filter ND3.0 bzw. ND1000X um den Faktor 1000. Bei der ersten Bezeichnung (die ohne X, z.B. ND0.9 oder ND3.0) rechnet man 10^0.9 (ca. 8) bzw. 10^3.0 (ergibt 1000). Man kann für eine Verstärkung des Effekts auch mehrere Filter kombinieren. Die 3 Filter aus dem unten angegebenen Set, ergeben kombiniert einen Faktor von 512000. Ob man das benötigt sei dahingestellt. Aber man kann 🙂

Das Kitobjektiv von Canon hat einen Filterdurchmesser von 58mm, das dürfte bei den anderen Herstellern ähnlich sein (bitte informieren). Man könnte sich also für folgende Filter oder Filtersets entscheiden:
Hoya HMC Graufilter NDX8 58mm (Einzelfilter für 8-fache Belichtungszeit)
Delamax Graufilter ND3.0 58mm (Einzelfilter für 1000-fache Belichtungszeit)
Neutral Graufilter-Set ND0.9 ND1.8 ND3.0 58mm (Filterset für Belichtungsfaktor 8, 64 oder 1000)

Ein kleiner Tipp:
Bei Filtern bietet es sich an, einen möglichst großen Durchmesser zu kaufen (z.B. 77mm). So passen die Filter an das Objektiv mit dem größten Durchmesser, lassen sich aber per Filteradapter an kleinere Filtergewinde anpassen. So kann man die Filter für alle Objektive nutzen, statt für jedes Objektiv passende Filter zu kaufen. Auch wenn man anfangs nur das Kit-Objektiv besitzt, weiß man ja nie, was man sich mal an Objektiven anschaffen wird. So ist man schon für die Zukunft gerüstet. Allerdings sollte man beim Einsatz mehrerer Filteradapter beachten, dass es zu Vignettierungen kommen kann. Hier mal zwei Links:
Slim Neutral Graufilter-Set ND0.9 ND1.8 ND3.0 77mm (nutze ich selbst)
XCSOURCE 7-teiliges Filteradapter-Set von 49-77mm

Leider sind große Filter teurer als kleine und es kommen noch die Kosten für das Adapterset dazu. Hier könnte das Budget von 200 Euro geknackt werden, langfristig ist es aber sicher die günstigere Lösung. Für den Anfang bietet es sich aber auch an, mal die Kleinanzeigenportale zu durchstöbern. Oft wird man hier für 5-10 Euro fündig und kann erst mal reinschnuppern.

Beim Fotografieren mit stärkeren Graufiltern (z.B. ND3.0 bzw. ND1000X) bekommen die Bilder einen Farbstich, unabhängig von der Qualität der Filter. Bei Hersteller X erhält man einen Rotstich, bei Hersteller Y einen Blaustich. Diese Farbstiche kann man aber im RAW-Konverter oder dem Bildbearbeitungsprogramm entfernen. Sollte einem das zu aufwendig sein, kann man die Fotos auch in SW umwandeln 😉

Skyline Frankfurt am Main

Setpreis

Wer geschickt kauft (und mit der D30 glücklich wird), kann hier schon mit ca. 120 Euro einsteigen. Besser ist man natürlich bedient wenn man sich 6 Megapixel gönnt und ein ganzes Filterset kauft. Dann ist man deutlich flexibler bei den Belichtungszeiten. Mit ein wenig Glück passen sogar die großen Filter samt Adapter ins Budget. Wer schon im Voraus weiß, dass er nur nachts fotografieren wird, kann sich natürlich auch das Filterset sparen und investiert stattdessen in ein besseres Stativ. Aber egal wie man sich entscheidet, für 200 Euro erhält man eine Ausrüstung mit der sich unvergessliche Fotos machen lassen, um die man sicher auch beneidet wird.

Feedback, Feedback, Feedback. Der Blog und die Artikel leben davon. Habt ihr Anregungen, Ergänzungen, Tipps? Ich freue mich von euch zu lesen 🙂

Weitere Artikel dieser Serie:

Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (1) – Der Einstieg
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (2) – Allround
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (3) – Portrait
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (4) – Langzeitbelichtung / Nachtaufnahmen
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (5) – Doppelzoom
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (6) – Makrofotografie
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (7) – Heimstudio

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6 thoughts on “Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (4)

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