Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (1)

Immer wieder höre ich von Fotografie-Anfängern, dass sie sich leider keine DSLR leisten können. Sie ärgern sich über ihre Fotos, die ja mit einer DSLR viel besser aussehen würden. Mal davon abgesehen, dass man mit ein paar einfachen Bildgestaltungsregeln und ein wenig fotografischem Grundlagenwissen sehr wohl gute Fotos mit einfachen Kameras machen kann, ist es gar nicht so teuer, sich die erste DSLR zuzulegen. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass man für den Neupreis einer Kompaktkamera im unteren Preissegment sogar eine komplette DSLR-Ausrüstung bekommt. Allerdings (teilweise) gebraucht. Aber ist das so schlimm?

Canon EOS D60 mit Batteriegriff und Canon EF 50mm 1:1.8

Fast meine gesamte Fotoausrüstung habe ich mir gebraucht zugelegt, außer Teile des Equipments bei denen man dabei nicht wirklich hätte sparen können. Auf die Nase gefallen bin ich dabei noch nicht. Das liegt aber auch daran, dass ich nicht blind auf Ebay und Co. zuschlage. Am besten sucht man nach Inseraten, z.B. bei Ebay Kleinanzeigen und in diversen Fotoforen und achtet darauf, dass man vorbeifahren und die Sachen selbst abholen kann. Ich lasse mir gelegentlich auch etwas zusenden, aber in den Fällen informiere ich mich weitgehend über den Verkäufer um das Risiko zu minimieren. Kommt mir jemand komisch vor, kaufe ich lieber nicht. Bisher bin ich damit gut gefahren und ich mache das schon seit über 10 Jahren so.
Gebrauchte Sachen haben neben dem niedrigen Kaufpreis noch einen weiteren Vorteil. Als Anfänger weiß man oft nicht genau, welche Ausrüstung man benötigt. Je nachdem in welche Richtung der Fotografie man sich entwickelt, sind dann vielleicht ein anderes Objektiv oder Zubehörteil nötig. Gebrauchte Sachen unterliegen nicht so einem großen Preisverfall. Je nach Alter lassen sich die Sachen dann später ohne (oder mit geringem) Wertverlust weiterverkaufen. Dagegen verliert Neuware relativ schnell an Wert.
Sind die Kameras älteren Datums, kann es sein, dass keine Treiber mehr für aktuelle Betriebssysteme erhältlich sind. Diese sind aber nur für die Übertragung der Bilder per USB-Kabel von der Kamera auf den Computer erforderlich. Sind keine Treiber vorhanden, können die Bilder einfach per Speicherkarten-Lesegerät eingelesen werden. Kartenleser kann man – wenn nicht schon vorhanden – für 6-7 Euro beim Elektrofachmarkt des Vertrauens erwerben, z.B. hier.

Jetzt aber ans Eingemachte. Ich behaupte, dass man mit 100 Euro (teilweise weniger) in die DSLR-Fotografie einsteigen kann. Weiterhin behaupte ich, dass man für 200 Euro eine komplette Ausrüstung inkl. Kamera, Objektiv, Stativ, Blitz und evtl. Funkblitzauslöser bekommt. Somit ist man neben der „normalen“ Fotografie auch schon für entfesseltes Blitzen und Langzeitbelichtungen gewappnet. Glaubt ihr mir nicht? Ich stelle im Folgenden mal ein paar Sets zusammen, die für verschiedene Richtungen der Fotografie geeignet sind und natürlich auch ein universelles Set. Den Anfang mache ich heute mit dem Set „Der Einstieg“. Weitere Sets stelle ich dann in den folgenden Artikeln vor.

Set 1 – Der Einstieg

Für den Einstieg soll uns eine Kamera mit Standard-Zoomobjektiv genügen. Damit sind wir gerüstet, um uns die Grundlagen der Fotografie zu erarbeiten und tolle Fotos zu machen. Hier fällt es relativ leicht unter 100 Euro zu bleiben, aber wer möchte kann natürlich mehr ausgeben. Hier geht es erst mal darum was möglich ist. Ich beschränke mich dabei auf die beiden großen Hersteller Canon und Nikon, weil beide schon lange DSLRs am Markt haben und damit auch entsprechende Modelle zum niedrigen Gebrauchtpreis zu bekommen sind. Grundsätzlich kann man aber auch nach Modellen von Sony oder Olympus schauen, falls man sich dorthin gezogen fühlt. Es mag so scheinen, als ob ich Canon den Vorzug vor Nikon gebe. Das kommt daher, dass ich selbst mit Canon fotografiere und mich dort besser auskenne. Ich bin aber der Meinung, dass sich beide Hersteller keine Blöße geben. Die Entscheidung fällt mit den eigenen Vorlieben, dem was die Bekannten nutzen, oder vielleicht hat man noch passendes Equipment aus der analogen Zeit.

Kamera

Gebrauchte digitale Spiegelreflexkameras findet man ab etwa 40 Euro (ja, richtig gelesen). Eine Canon EOS D30 liegt laut Pöpping Gebrauchtpreisliste bei ca. 45 Euro, je nach Zustand bekommt man sie auch für mehr oder weniger Geld. Bei Nikon könnten eine D40 mit ca. 65 Euro oder die etwa 10 Euro teurere D70 den Einstieg bilden. Da die EOS D30 mit einer Auflösung von 3 Megapixeln etwas knapp bemessen ist, empfehle ich eher eine EOS D60 oder eine EOS 10D (beide mit 6 MP Auflösung). Ich würde generell 6 MP als Mindestauflösung empfehlen, wenn man seine Bilder nicht nur am Bildschirm oder TV präsentieren, sondern vielleicht auch mal in DIN A4 ausdrücken möchte (DIN A3 sind auch drin, wenn man nicht mit den Augen am Bild klebt). Bei der D60 und der 10D liegt man bei 65-70 Euro gut im Rennen.
Eine Bemerkung am Rande. Die EOS D60 hat auch mal über 1000 Euro gekostet als sie auf den Markt kam und das merkt man auch. Das Bedienkonzept mit dem großen Wahlrad auf der Kamerarückseite ist das gleiche, das auch heute noch bei den professionellen und semiprofessionellen Modellen zum Einsatz kommt. Und ein Gehäuse gleicher Stabilität findet man auch heute nicht unter 1000 Euro.
Wer übrigens glaubt, dass man die Bildqualität dieser Kameras nicht mehr ernst nehmen kann, der irrt. Ich besitze die EOS D30 und die D60 beide und werde – vielleicht zum Abschluss dieser Artikelserie – die D60 gegen meine 1D Mark III antreten lassen. Ich will nicht behaupten, dass sich in der Zwischenzeit in Sachen Bildqualität nichts getan hat. Aber ich bin sicher, dass die meisten unter euch nur schwer einen Unterschied feststellen werden (Pixelpeeper ausgenommen).

Objektiv

Bei den Objektiven ist man anfangs am flexibelsten, wenn man sich ein Standard-Zoom zulegt. Das kann das für APS-C typische 18-55mm sein, oder auch ein 28-80mm, 28-90mm oder 35-80mm, wie sie bei analogen Kleinbild-SLRs gängig waren. Diese sind auch sehr günstig zu haben. Preislich liegt man hier bei 20-30 Euro. Mit diesem Brennweitenbereich ist man für die gängigen fotografischen Situationen gerüstet. Will man später umsteigen, kann man das Objektiv quasi verlustfrei wieder veräußern.
Zu beachten wäre hier bei Canon das Bajonett (also der Anschluss des Objektivs). Es gibt EF und EF-S Objektive. Während man bei Kameras mit EF-Anschluss auch nur EF-Objektive anschließen kann, passen sowohl EF- als auch EF-S-Objektive an Kameras mit EF-S-Anschluss. Bei Nikon heisst das dann AF und AF-S. Außerdem sollte man bei Nikon darauf achten, ob das Objektiv einen eigenen Autofokusmotor benötigt oder nicht. Beides kann man im Internet oder dem Handbuch zur Kamera erfahren. Hier gibt es eine Kompatibilitätstabelle von Nikon für die verschiedenen Kamera- und Objektiv-Modelle.

Dieses Objektiv bildet auch die Grundlage für alle weiteren Sets, ausgenommen man möchte in die Portraitfotografie einsteigen. Dann kann es Sinn machen, gleich ein wenig mehr zu investieren und sich ein 50mm 1.8 (60-89 Euro) zuzulegen. So spart man sich den Umstieg, ist aber erst mal unflexibler (aber nicht unflexibel).

Setpreis

Das günstigste Set, bestehend aus einer Canon D30 und einem Standard-Zoomobjektiv, läge somit bei 60-70 Euro.
Beim Einstieg mit 6MP kommt man auf knapp 100 Euro, je nach Zustand.

Somit kostet der Einstieg zwischen 60 und 100 Euro. Da soll noch mal einer was sagen 🙂

Jetzt bin ich natürlich auf eure Meinungen gespannt.

Weitere Artikel dieser Serie:

Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (1) – Der Einstieg
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (2) – Allround
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (3) – Portrait
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (4) – Langzeitbelichtung / Nachtaufnahmen
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (5) – Doppelzoom
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (6) – Makrofotografie
Günstiger Einstieg in die DSLR-Fotografie (7) – Heimstudio

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